ANDACHT

 

Liebe Gemeinde!

wonach riecht für Sie der Sommer? Nach Strand, Meer und Sonnenöl, wie im Urlaub? Nach einem Grillabend mit Freunden, bei dem man das Essen mit wunderbaren Kräutern würzt, wie Dill, Thymian und Basilikum? Vielleicht trinkt man dazu einen Tee aus Pfefferminze, Kamille oder Lavendel? Riecht der Sommer für Sie nach einem Abend auf der Terrasse, an dem der Duft von frischem Gras, einem Blumenstrauß prächtiger Rosen oder einer Schale reifer Erdbeeren in die Nase zieht? Oder verbinden Sie Sommer mit dem Geruch von modrigem Wald nach einem feinen Sommerregen?
Das Wort „Duft“ kommt von „Dunst, Nebel, Tau oder Reif“. Es bedeutet „feine Ausdünstung“, ist etwas „Zartes, Leichtes, Schwebendes“, was als „wohlriechend und aromatisch“ wahrgenommen wird. In der  Natur vermischen sich die Düfte ganz selbstverständlich, kriechen in unsere Nase und erzeugen in der Regel ein Wohlgefühl.
Im Alten Testement wird erzählt, dass der Libanon mit seinen Zedern einen Wohlgeruch verströmt (Prophet Hosea 14,7), dass Zedern wie die Kleider der Geliebten duften (Hohelied 4,11) und dass die Geliebte nach teuren Salben und kostbarer Narde riecht (Hohelied 1,3.12; 4,10). Der Duft von Brandopfern (in den fünf Büchern Mose) wird als etwas beschrieben, was Gott wohlriechend in die Nase zieht und ihn milde stimmt. Aber auch die Kehrseite des Geruchs wird benannt: Wenn Jemand in Verruf gebracht wird, so sagt die hebräische Sprache „er wird stinkend - gemacht“ (Exodus 5,21). Im Neuen Testament bringen die Weisen aus dem Orient den Duft des Weihrauchs, ist der Salbei zum Klären und Desinfizieren der Luft benannt und kennen wir die Erzählung von Maria von Magdala, die Jesus mit kostbarem Nardenöl salbt (Matthäus 26,6-13).
Duft und Rauch stehen beim biblischen Menschen für den Wechsel von der irdischen in die geistige Welt. Man war überzeugt, dass eine Gottesbegegnung mit einem Dufterlebnis verbunden ist.
Sicher nehmen wir heute Düfte ganz selbstverständlich als etwas Profanes wahr. Sie gehören einfach zu unserem Leben. Aber vielleicht können wir manchmal trotzdem Danke sagen: Wenn wir im Sommer auf der Parkbank sitzen und es steigen uns die betörenden Düfte der Wiese in die Nase. Wenn wir an einem Blumenstrauß riechen und uns freuen, wenn er wirklich duftet. Wenn wir am Strand liegen und uns mit Sonnenöl einölen und wissen, jetzt können wir alle Viere grade sein lassen.
Vielleicht müssen wir nicht so, wie das kleine Mädchen auf dem Titelbild, „ganz“ in die Dinge hineinkriechen, aber ein bisschen mehr Achtsamkeit und Dankbarkeit tut uns allen gut. Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer!

Ihre Pfarrerin K. Wunderwald