ANDACHT

Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne
und nähme doch Schaden an seiner Seele? (Mt 16,26)

Liebe Gemeinde,

Liebe Gemeinde,
natürlich kennen wir diesen Vers des Monatsspruches und verstehen ihn, war er doch kürzlich Jahreslosung. Natürlich wissen wir, dass Gewinnen das Leben nicht ausmacht, dass zu viel Siegen den Charakter verdirbt und dass jeder Triumph auf der anderen Seite Verlierer hervorbringt, was auf lange Sicht einen Frieden verhindert. Und doch sind wir gerade froh oder traurig, weil die eigene Partei oder Mannschaft gewonnen oder verloren hat. Ist es nicht einfach menschlich, gewinnen zu wollen? Kaum ein Spiel würde Freude machen, wollten nicht alle unbedingt gewinnen. Ich selbst habe mich sehr gefreut, als ich die Wahl um diese Pfarrstelle gewonnen habe.
Gott ist kein Spielverderber. Nur weil etwas Spaß macht, ist es noch lange nicht unchristlich. Jesus sagt ja nicht, dass jedes Gewinnen die Seele beschädige. Aber mancher Sieg beschädigt andere Seelen oder Körper oder vernichtet sie gar. Und das bleibt nicht ohne Folgen für die Seele des Siegers. Anzeichen dafür ist, ob der Sieg mit Häme oder mit Demut gefeiert wird. Wenn Manche sich groß fühlen und die Gegner herabwürdigen, obwohl sie zum Sieg ihrer Mannschaft selbst nichts beigetragen haben, sagt das nicht etwas über deren Seele?
Wir Christen haben das Leben gewonnen, weil Christus es für uns gewonnen hat. Wir sind nicht „Sieger der Geschichte“, wie in der DDR behauptet, sondern wir sind Beschenkte. Nicht die Angst vor dem Tod muss die bestimmende Kraft in unserem Leben sein, sondern das Vertrauen in Gott, der uns trägt und liebt. Dieses Geschenk anzunehmen ist, woran wir täglich zu arbeiten haben. Dazu lädt Christus uns ein. Dazu will eine Kirchgemeinde Hilfe und Anleitung sein. Dazu bin ich Pfarrer.
Nicht, dass ich das alles weiß und kann. Doch habe ich in unserer Gemeinde eine besondere Aufgabe, habe dazu einiges gelernt, bin dazu hier hergekommen, auch wenn der Umzug noch ein Weilchen dauern wird. Sie werden bald merken, wozu ich gut zu gebrauchen bin und was mir nicht so liegt. In der Hoffnung, dass Ersteres überwiegt, wünsche ich mir, dass Sie mich dort nutzen, wo ich helfen kann, um Ihren Glauben zu stärken und das Geschenk Gottes anzunehmen; und dass Sie mir verzeihen, wo meine Fähigkeiten und meine Zeit begrenzt sind. Letztlich gelingt eine Gemeinde, wo man miteinander wirkt – beim Arbeiten wie beim Feiern, wo Jeder und Jede das beiträgt, was er oder sie kann, wo alle auf sich und den Menschen neben sich achten.
Zeichen dieser Achtung sind die konstruktive Kritik und der Dank. Und so möchte ich zu Anfang meines Dienstes hier Dank sagen an alle Mitarbeiter und Ehrenamtlichen, die die Zeit ohne Pfarrer überstehen geholfen haben, die eingesprungen sind und dabei erstaunliche Fähigkeiten entdeckt und eingebracht haben. Danken möchte ich Herrn Pfr. Döring für seine Hauptvertretung und den Kirchvorstehern mit Frau Dr. Nicklaus als Vorsitzende, die sehr viel Zeit und Kraft und Geduld aufgewendet haben für unsere Gemeinde. Und im Namen meiner Familie möchte ich Ihnen allen danken für den warmen und herzlichen Empfang, den Sie uns bereitet haben.
Ihr Pfarrer Gabriel Beyer